10. Rusticus Festival Schorba – Der Freitag
Seit nunmehr 2017 gehört das Rusticus Festival in Schorba fest zum musikalischen Spätsommer rund um Jena. Was damals begann, feierte 2026 bereits seine zehnte Ausgabe. Zwei Tage lang treffen auf dem Gelände der Zimmerei Seznec Musik, Handwerk und eine Atmosphäre aufeinander, die so wohl nur an diesem Ort funktioniert.
Musikalisch schlägt das Herz des Rusticus vor allem für Americana und alles, was sich darum herum bewegt: Folk, Country, Blues, Singer/Songwriter und Rock. Dabei geht es weniger um große Namen als um handgemachte Musik und Bands, die für das brennen, was sie auf die Bühne bringen. Genau das machte auch den Freitagabend der Jubiläumsausgabe aus.
Drei Bands standen auf dem Programm – Armano, Midge’s Pocket und schließlich Los Banditos, die in Schorba gleichzeitig ihr 30-jähriges Bandjubiläum feierten.
Armano
Den musikalischen Auftakt des Abends übernahm Armano. Singer/Songwriter, Blues und Rock’n’Roll treffen bei ihm auf einen Sound, der hörbar von den 50er- und 60er-Jahren geprägt ist. Rockabilly schimmert ebenso durch wie klassischer Blues – Musik, die keinen großen technischen Überbau braucht, sondern vor allem von Songs, Stimme und Gitarre lebt.
Damit passte Armano ziemlich genau an den Anfang eines Rusticus-Abends. Noch bevor es später deutlich lauter wurde, gab es zunächst schnörkellose, handgemachte Musik auf die Ohren. Ein Auftakt, der gleichzeitig ziemlich gut zeigte, wofür das Festival seit seinen Anfängen steht.
Midge’s Pocket
Mit Midge’s Pocket ging es anschließend musikalisch einige Jahrzehnte weiter – zumindest gefühlt. Die vier Musiker haben sich einem Sound verschrieben, der tief im Rock’n’Roll der 1970er Jahre steckt, ohne einfach nur eine Retro-Show daraus zu machen.
Die Zutaten dafür sind ziemlich klassisch: Americana, Folk und Country treffen auf Rock, dazu dreistimmiger Gesang und Songs aus eigener Feder. Die Band selbst macht auch kein Geheimnis daraus, dass sie nicht versucht, das musikalische Rad neu zu erfinden. Stattdessen setzt sie ganz bewusst auf bewährte Old-School-Zutaten und den Geist des 70er-Rock’n’Roll.
Live funktioniert genau diese Mischung besonders gut. Nach dem eher bluesigen Einstieg mit Armano wurde es auf dem Festivalgelände damit deutlich rockiger und druckvoller – ohne dass der handgemachte Charakter des Abends verloren ging.
Los Banditos – 30 Jahre Sexy Surf Beat aus Jena
Der Abschluss des Freitags gehörte schließlich einer Band, die rund um Jena kaum noch vorgestellt werden muss: Los Banditos. Und 2026 gab es einen ziemlich guten Grund, den Auftritt etwas größer zu feiern – seit mittlerweile 30 Jahren steht die Band auf der Bühne.
Drei Jahrzehnte Los Banditos bedeuten weit über 1.000 Konzerte und Auftritte von St. Petersburg bis Madrid, von Helsinki bis Kairo. Musikalisch lässt sich das Ganze irgendwo zwischen Surf, Beat, Rock’n’Roll und kontrolliertem Wahnsinn verorten.
Wer Los Banditos kennt, weiß allerdings, dass ein gewöhnliches Jubiläumskonzert kaum zu ihnen passen würde. Die Band nimmt sich und ihre eigene Geschichte glücklicherweise nicht allzu ernst. Selbst der offizielle Text zum Dreißigjährigen beschreibt die vergangenen Jahrzehnte eher als außer Kontrolle geratenes Langzeitexperiment denn als ehrwürdige Bandgeschichte.
Und vielleicht trifft das Los Banditos tatsächlich besser als jede sauber formulierte Genrebezeichnung: Nach 30 Jahren stehen sie noch immer auf der Bühne, noch immer laut, schräg und mit einer gehörigen Portion Selbstironie.
Damit waren sie zugleich ein ziemlich passender Schlusspunkt für den ersten Abend des zehnten Rusticus Festivals: drei Bands, drei sehr unterschiedliche Ausprägungen handgemachter Musik – vom Blues über 70er-Rock’n’Roll bis zum Jenaer Surf-Beat-Wahnsinn.













































































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